Siegel des Evangelisches Gymnasiums zum Grauen Kloster
Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster
Siegel der Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Andacht zum Gedenken

Die Andacht zum Gedenken an das Pogrom vom 9. November 1938 wurde am 8.11.2017 vom LK Geschichte (12. Jahrgang) gestaltet. Mit beeindruckenden und berührenden Texten hielten sie die Erinnerung an die Pogromnacht wach.

Einstieg:

  • Der Anschlag geschah in der Nacht zu Heiligabend. Gegen halb drei Uhr morgens schleuderten Unbekannte einen Brandsatz auf
    eine Flüchtlingsunterkunft in Haldensleben bei Magdeburg. Ein Zeuge will drei oder vier dunkel gekleidete Männer am Tatort gesehen haben. Die Flammen erloschen schnell, glücklicherweise wurde niemand verletzt. Durch Verrußungen an Boden und Wänden entstand ein Sachschaden von etwa tausend Euro. Nach den Tätern wird gefahndet.

  • Wie durch ein Wunder überleben sieben Syrer den Brandanschlag auf ihre Unterkunft in NRW unverletzt. Die Polizei nimmt nun zwei Männer fest, die offenbar das Feuer gelegt haben. Doch schon nach kurzer Zeit kommen sie wieder frei.
  • Bei einem der Sprengstoffanschläge wurde ein Asylbewerber durch herumfliegende Glassplitter verletzt. Bei einem anderen Überfall, den die Gruppe zusammen mit Dresdner Neonazis verübte, erlitt ein Opfer ein Knalltrauma. Lediglich dem Zufall sei es zu verdanken, dass keine Menschen zu Tode kamen oder schwer verletzt wurden, hieß es.
  • In Bautzen bricht in einer leerstehenden Unterkunft für Flüchtlinge Feuer aus. Johlend versuchen Schaulustige, die Feuerwehrleute von der Arbeit abzuhalten.

(Marlene Krause und Adrian Hoffmann)

Einleitung:
Die Schlagzeilen und Kurznachrichten, die Ihr eben gehört habt, stammen aus deutschen Zeitungen der letzten Jahre und sind nicht abgeändert.
Sie alle berichten von Ausgrenzung, Hass und Gewalt gegenüber Flüchtlingen.
Diese Schlagzeilen sind zwar aus den Jahren 2015, 2016 und 2017. Sie lassen sich aber auch verblüffend gut auf eine Zeit übertragen, in der ebenfalls eine einzelne Bevölkerungsgruppe Leid, Gewalt und Ausgrenzung ausgesetzt war, nämlich die des Dritten Reichs.
Dabei ist der 9. November 1938 bis heute hin ein Sinnbild der staatlich organisierten, systematischen Ausgrenzung, Benachteiligung und Verfolgung einer einzelnen Bevölkerungsgruppe.
Umso erschreckender ist es nun, dass vermehrt Personen und sogar ganze Institutionen und Parteien anfangen eine Erinnerungskultur in Frage zu stellen, die primär das Ziel verfolgt zu mahnen und daran zu erinnern, dass sich Verbrechen an Menschen aus der eigenen Mitte nicht wiederholen.
Deshalb wollen wir als Geschichtsleistungskurs dieser bedrückenden Entwicklung entgegenwirken und gedenken mit dieser Andacht den Toten und Geschädigten der Pogrome im dritten Reich.
Wir feiern diese Andacht im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen!
(Carl Smeddinck)

Lied: Von guten Mächten (Strophen 1-3) -> Lebenslieder Nr.214; Blaues Buch Nr.65

Historischer Kontext:
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 setzten organisierte Schlägertrupps des Nazi-Regimes mehr als 1400 Synagogen in Brand FILMAUSSCHNIT 1: Brennende Synagoge. und zerstörten weitere 1000 Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürger im gesamten deutschen Reich. Weder Polizei noch Feuerwehr griffen ein.
FILMAUSSCHNITT 2: Zerstörtes Schaufenster Der restliche Teil der Gesellschaft schaute tatenlos zu. Die betroffenen Juden erfuhren weder Hilfe durch staatliche Behörden oder Gerichte, noch durch ihre Nachbarn. Diese Nacht machte deutlich, dass der Staat dem jüdischen Teil der Bevölkerung vollständig den Schutz als Staatsbürger entzogen hatte. FILMAUSSCHNITT 3: Verbotsschild für Juden. Der 9. November markiert damit den Übergang von Diskriminierung und Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung zu deren systematischer Verfolgung und Ermordung durch den deutschen Staat.
(Helena Martinez Krieger)

Überleitung:
Wir haben versucht zum Thema Pogromnacht eigene individuelle Überlegungen in Textform zu bringen. Diese teils sehr unterschiedlichen Ergebnisse hört Ihr im Folgenden.
(Adrian Hoffmann)

Persönliche Überlegungen:
Die Pogrome vom 9. November 1938, Reichspogromnacht, von den Nazis später als
„Kristallnacht“ verherrlicht. Als ich meinen kleinen Bruder fragte, was das denn sei und wie er es definieren würde, war die Antwort klar: Ein gewaltsamer Übergriff, Zerstörung, Tod.
Es ist einfach die Pogrome so zu beschreiben. Es sind nun mal Fakten. Doch als ich ihn bat sich in die Lage eines Juden zu versetzen, eine lärmende Menschenansammlung mit Fackeln und Stöcken bewaffnet vor der Tür, die Ausweglosigkeit nachzuvollziehen, niemanden zu haben, an den man sich für
Gerechtigkeit wenden kann und keine Möglichkeit zu entkommen, war er ratlos. Auch ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Wie ein Albtraum sagte mein Bruder nach einer Weile und er hatte recht, eine bessere Beschreibung konnten wir zusammen nicht finden.
(Lyonel Hollaender)

Himmelblauer Pyjama – Ein selbstgeschriebener Text von Philipp
Papa hatte gesagt, dass etwas passieren würde. Er war abends früh fortgegangen und hatte gesagt, dass wir uns keine Sorgen zu machen bräuchten. Warum aber sollten wir uns überhaupt Sorgen machen? Ich versuche mich an den Ausdruck in Papas Gesicht zu erinnern, als er Mama sagte, er würde morgen wieder da sein. Fast schon aufgeregt hatte er ausgesehen. Während ich noch nachdenke fange ich an einzuschlafen.
Dann zerreißt ein Klirren die Nacht. Es fährt durch meinen Kopf wie ein Kristallsplitter. Kurz darauf schreit eine Frau und mehrere Männer lachen kehlig und roh.
Ich höre dumpfe Geräusche und ein gequältes Wimmern. Plötzlich merke ich, dass die Nacht nicht mehr still und klar ist, wie erst dachte. Ein bedrohliches Knistern untermalt Stimmengewirr und zerschellendem Glas.
Auf einmal fällt mir mein Vater ein. Was wenn er in Gefahr war, was wenn ihn Leute verletzten?
Ein unerträglicher Gedanke. Mein Herz fängt in meiner Brust an zu hämmern und ich bekomme kaum noch Luft. Panisch werfe ich meine Decke von mir und stehe auf. Im Schlafanzug und barfuß schleiche ich aus meinem Zimmer in den Wohnungsflur. Ich höre meine Mutter gleichmäßig atmen. So leise ich kann öffne ich die Haustür und husche ins Freie. Ich balle meine Finger zu Fäusten und gehe langsam die, vom orangenen Licht der Flammen beleuchtete Straße hinunter.
Ich weiß nicht wohin ich gehe. Nur weiter. Aus dem Augenwinkel sehe ich ein eingeworfenes Schaufenster. Das ist die Buchhandlung von Herrn Jachiel und seiner Familie. Alle Geräusche um mich herum sind dumpf. Rufe, Schreie, Gelächter. Alles vermischt sich zu einem grauenhaften Dröhnen. Hilflos setzte ich einen Fuß vor den anderen. Meine Fußsohlen sind taub und ich spüre nur die Hitze aus dem Innenhof neben mir wallen.
Ruckartig bleibe ich stehen. Vor mir sehe ich, wie zwei Männer in brauner Uniform eine Frau aus einer Ladentür zerren. Hinter ihnen sehe ich für einen Augenblick eine schemenhafte Gestalt auf dem Tresen liegen.
Die Frau schreit und versucht sich aus dem Griff der beiden Männer zu befreien. Alles ist verlangsamt. Einer der Männer schlägt der Frau in den Bauch und sie fällt zusammengekrümmt zu Boden. Ihr schmerzverzerrtes Gesicht dreht sich zu mir. Sie sieht mich, starrt mich mit zersprungenen Augen an. Der Mann bückt sich zu ihr
hinunter. Sein Gesicht ist gierig, hasserfüllt. Er packt das Kinn der Frau mit seinen groben Händen.
Ein Stein, schwer, wie ein Güterzug rammt sich in meinen Oberkörper. Mein Herz setzt aus. Ich sehe das Gesicht des Mannes. So klar, dass alles um ihn herum verschwimmt.
Ich kenne diesen Mann, dieses Scheusal.
(Philipp Jainz)

(Kurze Pause)
Wenn ich von der Pogromnacht betroffen wäre, wäre ich einfach nur hilflos: Wohin könnte ich mich wenden? Wer würde mir helfen?
Jeder auf der Straße würde sich von mir abwenden, nur weil ich einen gelben Stern auf der Kleidung trüge. Ist ein gelber Stern so ein großer Unterschied, dass er so etwas rechtfertigt? Was wäre der Unterschied zwischen meinem Nachbarn und mir, dass er diese Verachtung rechtfertigen würde, mit der er mir begegnen würde?
Warum dürfte er mich anspucken, warum mich beleidigen oder sogar schlagen? Und der Polizist würde danebenstehen und nichts tun. Nein, er würde etwas tun: Er würde lachen. Lachen über mich, die ich im Schlamm läge. Lachen über meinen Glauben und meinen Gott, der so schwach wäre, dass ich anfinge zu weinen. Und die Menschen gingen verächtlich an mir vorbei. Menschen, die mich vor vier Jahren noch freundlich gegrüßt hätten, mich geschätzt hätten. Und ich läge alleine auf der Straße. Wer würde mir aufhelfen, mir sagen: „Ich bin für dich da, du kannst dich auf mich verlassen, du bist ein Mensch für mich.“
Doch es käme keine Hilfe. Ich stünde alleine vor den Trümmern meiner menschlichen Existenz.
(Anne Heger)

Morgen jährt sich die Nacht vom 9. zum 10. November 1938, die Pogromnacht, zum
79. Mal. In dieser Nacht brannten in Deutschland die Synagogen und mehrere hundert Menschen wurden ermordet.
Gerade diese Gegend hatte einen sehr hohen Anteil an Juden und Synagogen.
Allein in Wilmersdorf brannten drei Synagogen: der “Friedenstempel” in Halensee, die Synagoge Grunewald in der Franzensbader Straße und die Synagoge Wilmersdorf in der Prinzregentenstraße.

Es herrschte damals überall mehrheitlich Schweigen, Wegschauen oder gar heimliche Zustimmung. Nur wenige Stimmen nannten die Verbrechen beim Namen. So ist überliefert, dass Frau Gertrud Dittmer, eine ehemalige Lehrerin des Grauen Klosters weinend den Klassenraum betrat. Es gab auch einige andere Lehrer, die das Geschehen so erdrückte und es verurteilten. Jedoch waren viele Lehrer dieser Schule auch Täter und Mitläufer, die dem Geschehen vielleicht sogar insgeheim
zustimmten. Auch Herr Teetz, ein Mitglied der damaligen Schulgemeinde, war als großer Nazi bekannt, es ist möglich, dass auch er am 9. November auf die Straßen ging.
(Michael Bassewitz)

Lied: Von Guten Mächten (Strophen 3-6) -> Lebenslieder Nr.214; Blaues Buch Nr.65

Fürbitten:
Herr, lass uns auch in Zukunft nicht die Verbrechen des 9. Novembers 1938 und der folgenden schrecklichen Jahre vergessen, denn obwohl wir in dieser Zeit nicht gelebt haben, sollten wir immer wieder auf diese Zeit der Menschenverachtung
zurückblicken, damit sich solche Taten in Zukunft nicht wiederholen. Herr wir bitten Dich!
(Carl Smeddinck)

Herr, bitte gib den Opfern der Pogromnacht die Kraft, ihre Erinnerungen zu verarbeiten und zu teilen, damit gerade in der heutigen Zeit das erlittene Unrecht nicht in Vergessenheit gerät. Hilf uns, dass wir niemals aufhören, uns in die Lage jener Opfer zu versetzen, um ihnen Respekt erweisen und die Ausgrenzung anderer Menschen heute und hier verhindern zu können. Herr, wir bitten Dich!
(Adrian Hoffmann)

Guter Gott, wir bitten Dich den Menschen Einsicht zu schenken. Gib ihnen Kraft, eigene Fehler einzusehen und zuzugeben, und die Fähigkeit, aus diesen zu lernen. Herr, wir bitten Dich!
(Marlene Krause)

Guter Gott, hilf uns, dass wir niemals die Gräuel vergessen, die Menschen anderen Menschen angetan haben. Gib uns die Kraft, uns unseren Erinnerungen zu stellen und den Mut, uns gegen Unrecht und Ausgrenzung anderer zur Wehr zu setzen. Lass uns mit offenen Augen durch die Welt gehen, dass wir uns immer für Demokratie und Menschenrechte einsetzen und auch noch heute politisch Verfolgte schützen. Herr, wir bitten Dich!
(Maria Berova)

Fazit:
Wir haben gesehen, dass es unbeschreiblich schwer ist für uns heute, sich des Ausmaßes des erlittenen Unrechts der jüdischen Bevölkerung 1938 bewusst zu
werden. Denn heute leben wir in einer Demokratie, die es uns ermöglicht, gegen Unrecht vorzugehen, und genießen den Schutz der allgemein gültigen Menschenrechte. So lautet der erste Artikel unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“. Gemeint ist damit die Würde eines jeden Menschen, unabhängig von Religion, Herkunft oder politischer Überzeugung. Dieser Grundsatz erscheint uns selbstverständlich, doch zeigen die jüngsten politischen
Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt, dass nichts selbstverständlich ist. Wenn Minderheiten diskriminiert und diskreditiert werden, wenn Beleidigungen im politischen Diskurs zur Normalität werden, dann ist es heute, wie schon vor 79
Jahren, von enormer Wichtigkeit für jeden von uns, gegen Unrecht und Willkür vorzugehen und sie nicht zu ignorieren. Daher möchten wir abschließen mit der
letzten Strophe des Gedichtes „Was es alles gibt“ von Robert Gernhardt aus dem Jahr 1999:
(Helena Martinez Krieger)

Da gibt es die, die reden. Da gibt es die, die schweigen. Da gibt es die, die handeln. – Was wir sind, wird sich zeigen.
(Adrian Hoffmann)

Vater Unser
Segen

Samstage mit Unterricht

Nächste Termine

14. – 21.09.2018 (Fr - Fr)
Klassenfahrt Va nach Altefähr

20.09.2018 (Do)
1. LK-Klausur (Schiene A)

20.09.2018 (Do)
Kurzstundenplan (1.-9. Std.) wegen Konferenz

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17. Sonntag nach Trinitatis

24.09.2018 (Mo)
1. LK-Klausur (Schiene B)

24.09.2018 (Mo)
19:00 Uhr: „Zur Bildungsverantwortung der Kirche" - Vortrag mit anschl. Diskussion
es spricht: Der Leiter der Bildungsabteilung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Herr Dr. Friedhelm Kraft

26.09.2018 (Mi)
12:00 Uhr: Abgabe der vorläufigen Anmeldungen der 5. PK beim PäKo bis 12:00 Uhr

26.09.2018 (Mi)
18:00 Uhr: 1. Schulkonferenz

27.09.2018 (Do)
16:00 Uhr: 1. FK-Schiene: De, La, Ma, Bio, DS

29.09.2018 (Sa)
09:00 Uhr: 1. Nachschreibtermin Unter-, Mittel- und Oberstufe

02.10.2018 (Di)
Herbstregatta

03.10.2018 (Mi)
Feiertag: Tag der Deutschen Einheit

04.10.2018 (Do)
16:00 Uhr: 2. FK-Schiene: Re, Ek, Gr, Ph, En

11.10.2018 (Do)
12:00 Uhr: Abgabe der Anmeldungen zur Präsentationsprüfung beim MiKo bis 12:00 Uhr

11.10.2018 (Do)
16:00 Uhr: 3. FK-Schiene : Ge/PW, Sp, Ch, Mu, Ku, Frz, ITG

15.10.2018 (Mo)
Kurzstundenplan (1.-9. Std.) wegen Konferenzen

15.10.2018 (Mo)
08:30 Uhr: Rebound-Kurs für die OIIId (1/3)

15.10.2018 (Mo)
08:30 Uhr: Rebound-Kurs für die OIIIb (1/3)

16.10.2018 (Di)
Kurzstundenplan (1.-9. Std.) wegen Konferenzen

16.10.2018 (Di)
08:30 Uhr: Rebound-Kurs für die OIIIa (1/3)

17.10.2018 (Mi)
Reformationsprojekttag - Veranstaltungen für VI-UII

18.10.2018 (Do)
Kurzstundenplan (1.-9. Std.) wegen Konferenzen

19.10.2018 (Fr)
10:00 Uhr: Reformationsgottesdienst für die ganze Schulgemeinde

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