Siegel des Evangelisches Gymnasiums zum Grauen Kloster
Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster
Siegel der Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Das Fach am Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster

5. Buch Mose, Kapitel 5 und 6: Hier ist versammelt, was Israel wichtig ist: Die Zehn Gebote und das Glaubensbekenntnis “Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.”

Kurz darauf ein Katechismus, wahrscheinlich der älteste, den es gibt: Er beschreibt als pädagogischer Ratgeber, wie Eltern, Lehrerinnen und Pfarrer mit dem Bekenntnis umgehen sollten: Wenn dein Kind dich fragt, warum haben wir alle diese Gesetze und Vorschriften in unserem Leben, dann antworte: Wir waren Knechte des Pharao in Ägypten und der Herr hat uns befreit. Um weiter als freie Menschen zu leben müssen wir unser Leben ordnen, deshalb all die Gesetze, sie garantieren unsere Freiheit – der erste Rahmenplan für den Religionsunterricht.

Natürlich gibt es eine Voraussetzung: Unsere Kinder sollten fragen. Gibt es keine Fragen, so gibt es auch keine Antworten. Ziel allen Unterrichts sollte es deshalb auch sein, unsere Schülerinnen und Schüler zum Fragen zu motivieren, zum Fragen nach dem Sinn unseres Lebens.

Im Grauen Kloster gibt es Religionsunterricht seit dem Gründungsjahr 1574. Die Berliner Bürgerinnen und Bürger hatten die Signale der Reformation begriffen und stellten deshalb ihre Schulgründung auch unter das Kreuz Jesu Christi.

Natürlich ist Evangelische Religionslehre, wie sie an unserer Schule unterrichtet wird, ein Schulfach wie andere. Es gibt Noten, Tests, Hausarbeiten, Klausuren. Das Fach wird im Abitur gewählt als Präsentation, längere wissenschafts-propädeutische Arbeit, als mündliche Prüfung oder Abitur-Klausur. Der Leistungskurs ist seit Jahren gut besucht.

Gleichzeitig werden, wie in anderen Fächern auch, Kompetenzen vermittelt, die über die Fachkompetenz hinausgehen. Evangelische Religionslehre am Grauen Kloster war schon immer sozialisationsbegleitend. Dies wird nun durch den neuen Rahmenplan unserer Kirche bestätigt. Vor allem soziale Kompetenz wird vermittelt – und benotet. Wie verhalte ich mich während einer Gruppenarbeit? Kann ich während eines Referats zuhören? Halte ich ein Referat so, dass die Zuhörenden auch etwas verstehen?

Schließlich geht es auch um Partizipationskompetenz. Dahinter versteckt sich keineswegs Mission, sondern die Tatsache, dass gerade Religionsunterricht mein Leben als freier, verantwortungsvoller Mensch vorbereitet.

Religionsunterricht ist kein Missionsunterricht, es geht nicht darum Seelen zu fangen. Religionsunterricht ist jedoch gleichzeitig Missionsunterricht, weil die Persönlichkeit des Religionslehrers, der Religionslehrerin, weil das Leben in der Schulgemeinde massiv dazu beiträgt, das Bild der Schülerinnen und Schüler von Kirche zu prägen. Zugespitzt ausgedrückt gehen die Mitglieder der Schulgemeinde morgens um acht Uhr in die Kirche und nachmittags aus der Kirche.

Schließlich ist der Religionsunterricht am Grauen Kloster evangelisch und ökumenisch, wie an allen Evangelischen Schulen im Land Berlin. Katholischer und jüdischer Religionsunterricht werden nicht angeboten, um den ökumenischen Dialog in den Klassengemeinschaften zu fördern. So ist die Reformation der Ausgangspunkt der Gewissensfreiheit im Protestantismus, ein nach Konfessionen getrennter Unterricht wäre da wenig hilfreich für das gemeinsame Gespräch.

So geht es denn täglich im Religionsunterricht um die befreiende Botschaft der Bibel und es geht auf die Suche nach dem Sinn des Lebens und schließlich um die Motivation, diese Suche auch nach dem Abitur fortzusetzen.

Thomas Gärtner, Fachleiter Religion